Sammlung Alfred Englaender

Fotogeschichte

Filmstreifen

In den 1980er-Jahren fielen dem Eschweiler Ge­schich­ts­ver­ein und dem Agfa Foto-His­to­ra­ma in Köln aus dem Nachlass nach Al­fred Eng­laen­der zahlreiche Fotos aus den 1930er- und 1940er-Jahren zu. Eine weitere Englaender-Sammlung ist unter dem Dach des Moyland-Museums. Die Sammlung in Köln gilt als verschollen. Die Sammlung im Eschweiler Geschichtsverein hat auffälligen Fehlbestand. Mein Katalog enthält mit mehr als 550 Fotos den 2018 noch greifbaren Bestand in Eschweiler, den ich in eine digitale Sammlung überführt habe, erschließt die Bilder formal und beschreibt detailliert die Bildinhalte.

Unheimliche Idylle

Heimatbilder als NS-Propaganda und ihre Rezeption

NS-Bildpropaganda: Archaische Ackerarbeit vor Industriesilhouette, Abbildung im Westdeutschen Beobachter Nr. 94 Jg. 14. Foto: Alfred Englaender, Eschweiler Geschichtsverein

Die Studie befasst sich mit der Hei­mat-Foto­gra­fie. Sie bezieht sich auf Fotos des Eschweiler NS-Pro­pa­gan­dis­ten und späteren Bildanbieters Al­fred Eng­laen­der. Sie weist die ideologische Iszenierung aus den Fotos und vor dem Hintergrund einer korrekten Biografie Englaenders nach. Bis in die Gegenwart werden diese Fotos unkritisch und nach Erkenntnis hier in privatistischer, philiströser Enge rezipiert und erfüllen somit weiterhin den ideologischen Zweck.

Gressenicher Ortswappen

Kommunalheraldik im Nazismus

Gemeindewappen Gressenich 1939-1971

In der Zeit von 1933 bis 1945 haben zahlreiche Gemeinden in Deutschland ein Wappen als Namenszeichen angenommen. Solche Wappen mussten einen Bezug zur Ortsgeschichte haben und spiegelten wieder, wie die Nazis die "Heimatgeschichte" sehen lassen wollten. Dies trifft auch für das Wappen der ehemaligen Gemeinde Gressenich zu. Es wurde von der Gemeinde ab 1939 bis zur Eingemeindung nach Stolberg/Rhl. am 1. Januar 1972 verwendet. In den 1960er-Jahren wurde es in einem Glasmosaik an der Fassade des Bürgermeisteramtes angebracht, wo man es heute noch sieht.

"Reichskristallnacht" in Eschweiler

Aufklärung einer Straftat

Rainer Kreuer, SA-Obersturmbannführer (Ausschnitt aus dem "Westdeutschen Beobachter")
Bild: Westdeutscher Beobachter

In diesem Aufsatz wird der Täterschaft zur Brandstiftung an der jüdischen Synagoge in Eschweiler (Städteregion Aachen) während der Novemberpogrome 1938 nachgegangen. War bisher unbestimmt von Tätern aus den Reihen der Nazis und von außerhalb Eschweilers die Rede, verdichten neuere Recherchen eine Täterschaft aus Eschweiler und führen erstmals zur Benennung von Personen.

"Feuersturm über Stolberg"

Rezension

"Feuersturm über Stolberg" ist der Titel, unter dem der Herausgeber Karl Schleicher vornehmlich Ego-Quellen über die Lage in Stolberg (Rhld.) während der Kriegsmonate September bis November 1944 zusammenstellt. Ohne die "Leiden der Zivilbevölkerung", wie es im Untertitel heißt, in der Sache zu schmälern: es hat in Stolberg trotz Talkessel-Lage keinen Feuersturm gegeben.

"Nicht allein wider den Strom"

Selbstzeugnis Josef Eschbach, 1933 - 1945

Drei Jugendliche hissen die Flagge des katholischen Jugendbundes Neudeutschland neben der gehissten Flagge Schwarz-Weiß-Rot. Rechts vermutl. Josef Eschbach.
Bild: Helga York

Josef Eschbach (*1916, †1992), Jesuit, Dr. phil., Lehrer, Buchhändler, ist durch seine Jugendromane aus den 1950er- und 1960er-Jahren als Schriftsteller bekannt geworden.
Hier wird sein flüssig geschriebenes, romanhaftes Manuskript, in dem er sich der Jahre 1933 bis 1945 erinnert, vorgelegt.

"Aus meinem Leben"

Selbstzeugnis Heinrich Gille, 1910 - 1948

Familie Heinrich Gille 1943
Bild: Armin Gille

Heinrich Gille (*1904, †1983) aus Hastenrath beschrieb in einer Handschrift von 1949 seine Herkunft aus einer Bergmannsfamilie, Kindheit und Lehrzeit in örtlichen Fabriken und den beruflichen Werdegang in der Reichswehr und als Wehrmachtsbeamter. Im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs als Zahlmeister zur Truppe versetzt, nimmt die russische Kriegsgefangenschaft den überwiegenden Teil der Erzählung aus.

Eschweiler Anzeiger und Nachfolger

Historische Presselandschaft in Eschweiler

Franz Blomenhaus (1820-1892), Herausgeber des "Eschweiler Anzeigers"
Bild: Hans-Jodok Schlömer

Mit Aufhebung des Insertionszwangs 1847 durch die preußische Regierung erschienen im Königreich Anzeigenblätter, die förmlich wie Pilze aus dem Boden schossen und sukzessive zu Tageszeitungen erweitert wurden. Der Aufsatz erleuchtet Herausgabe und Edition des "Eschweiler Anzeigers" und seiner Nachfolger bis zu dem letzten und zuletzt am 28. Februar 1934 erschienenen "Allgemeinen Anzeiger".

Der Blaue Tod

Epidemien in der früheren Gemeinde Gressenich

Passionskreuz in Mausbach

Der Aufsatz schneidet die historischen Epidemien im Aachener Raum und die dadurch bedingten sozialen Nivellierungen an. Er geht detaillierter auf die Cholera-Epidemien des 19. Jahrhunderts ein und versucht eine umwelthistorische Erklärung für den Ausbruch der Cholera und ihre unterschiedliche Wirkung im Gressenicher Raum.

Gemeinheitsteilung

Vom Ende der alten Zeit

Acta specialia der Försterei Schevenhütte

Mit der Ge­mein­heits­tei­lung auf Basis der gesetzlichen Ordnungen von 1821 und 1851 schuf der preu­ßische Staat den letzten und grundlegenden Zwang, von der Sub­stitu­tions­wirt­schaft zum Staatsziel der industriellen Landwirtschaft überzugehen, schuf damit eine anhaltende soziale Krise und zudem eine nachhaltige Änderung des Landschaftsbildes. Der Aufsatz liefert eine kurze und auch anhand örtlicher Beispiele aus dem westlichen Rheinland kritische Einführung in die Geschichte der Privatisierung der Allmende.

Muusbijer Klös

Glosse zur Pfarrerhebung Mausbachs im Jahr 1805

Passionskreuz in Mausbach
Bild: AGM

Warum heißen die Mausbacher Klös? Nach dem ursprünglichen Nikolaus-Patrozinium oder nach der Bohne, der im Volksglauben mit Fruchtbarkeitsriten behafteten Hülsenfrucht, allerdings im Sinne von "dumm wie Bohnenstroh"? Oder gar beides? Die Glosse nimmt die Pfarrerhebung des Dorfs Mausbach in der ehemaligen Gemeinde Gressenich (heute: Ortsteile von Stolberg/Rhld.) im Jahre 1805 und die damit verbundene Pfründe für Pater Wolfgang aufs Korn und geht der auf Diebstahl und Korruption basierenden Geschichte des Mausbacher Heiligtums nach.

Hans Muff

Eine rheinische Brauchtumsfigur

Relief Amenemhat
Schakalgott Anubis, Bild: The Met

Am Nikolausabend erscheint den Kindern der heilige Nikolaus. Er beschenkt die guten und straft die unbotmäßigen. So ist es Brauch. In katholischen Gegenden. Denn Luther wetterte gegen den "kindischen" Brauch und bei den Protestanten verdrängte das Christkind den Nikolaus. Doch nicht im Westen. In den reformierten Niederlanden, von wo er ab dem 10. Jahrhundert verbreitet worden war, hat der Ni­ko­laus-Kult Volksfestcharakter. Im Rheinland tritt der Nikolaus seit dem 17. Jahrhundert mit einem eigentlich "ungebetenen Gast" auf, nämlich dem Hans Muff, und der kommt frisch aus der Hölle.

Die Zauberer von Mausbach

Zauberei als praktische Lebenshilfe

Dr. Faustus

Das "Stolberger Bleisiegel" ist ein kabbalistisches Zauberhilfsmittel aus dem 17. Jahrhundert Es wurde bei Ausschachtungsarbeiten an der Mausbacher Pfarrkirche 1993 in einer Holzschatulle gefunden. Wilfried M. Koch hat den Bleiguss eingehend untersucht.
Bis in das 20. Jahrhundert hinein ist auf den Dörfern der Eifel und im Eifelvorland Sympathiemedizin betrieben worden. Einer dieser dörflichen Heiler war der Bäckermeister Anton Rüttgers (1885-1960) aus Mausbach. Ein Nachbar hatte "die Kunst" auf ihn "übertragen", weitergegeben hat Rüttgers "die Kunst" anscheinend nicht.

Die Mordwange im Königsforst

Denkmaltopographie

Mordkreuz an der Brüderstraße in Bensberg, Rückseite

Versteckt im Unterholz steht an der Brüderstraße im Königsforst, wo dieser "Broicher Wald" heißt, ein Mordkreuz aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648). Diese Mordwange führt zu einer dramatischen Familiengeschichte ins Sauerland während der Hexenverfolgung und in den sumpfigen Aufstieg zum Bergischen Land, wo "Buschknebler", "Pittheuer" und Marodeure ihr Unwesen getrieben hatten. Der Aufsatz liefert eine genaue Beschreibung der Mordwange, eine Interpretation der Semiotik und stellt die Ereignisgeschichte dar.
Am Rande werden Namensbedeutung und Geschichte der Brüderstraße erläutert.

Haus Lauvenburg bei Nemmenich

Denkmaltopographie

Haus Lauvenburg bei Nemmenich, Hochburg von Südost

Diese Studie geht auf das Interesse an mittelalterlichen Ab­ort-An­lagen zu­rück. Solche sind nämlich an Haus Lauvenburg bei Nemmenich ganz wunderbar erhalten. Überhaupt ist die Lauvenburg in ihrer spätmittelalterlichen Anlage hervorragend erhalten.
Nebenbei war eine Revidierung der Historiographie erforderlich geworden und davon handelt dieser Essay. Nach bisher im Kontext nicht publizierten Quellen und Erkenntnissen aus Onomastik und Heraldik werden abweichend von der aus der älteren Literatur rezipierten Meinung Besitzfolge und Namensbedeutung resümiert.

Undenkliche Zeiten

Rechtsgeschichte und Zeitrechnung

Friedhof Stieldorf

In historischen Texten, auch Urkunden, bis weit in das 19. Jahrhundert werden immer wieder Zustände "seit un(vor)denklichen Zeiten" und "seit Menschengedenken" beschworen und beschrieben. Solche Angaben lassen kaum Interpretationen zu: Es handelt sich um ein Rechtsinstitut, das seit der Spätantike und heute noch vom Bundesgerichtshof angewendet wird und Besitzstand begründet. Dabei ist das "Menschengedenken" regelmäßig auf einen Zeitraum von 40 Jahren bezogen. Der kurze Aufsatz liefert Definitionen und Beispiele aus der Rechtsgeschichte.

Die Jahresteilung

Ein Beitrag zur Chronologie

Wilhelm Busch, "Eins, zwei, drei im Sauseschritt / Läuft die Zeit; wir laufen mit"
"Eins, zwei, drei im Sauseschritt / Läuft die Zeit; wir laufen mit" (Wilhelm Busch)

Der Aufsatz behandelt die Jahresteilung bei Kelten, Römern und Germanen sowie in Mittelalter und Neuzeit und erklärt den Ursprung der Teilung des Volltags in 24 Stunden und der Stunde in 60 Minuten. Es wird die Etymologie der römischen und – unter Berücksichtigung der im Rheinland vorkommenden Besonderheiten – deutschen Monatsnamen sowie der Tagesnamen erläutert; kirchlicher Bezeichnungen, historische Tagesregenten, Hinweise auf die Datierung mit Tagesheiligen.

Gold und Silber

Metrologie / Metallurgie

1 Mark Deutsches Reich 1874, Avers

Es wird auf die Kölnische Mark als die vom 12. Jahrhundert bis 1857 maßgebliche Einheit für Gold- und Silberfeinheit in Mitteleuropa, auf das Feingehaltsgesetz seit 1884 (Stempelgesetz), auf klassische Legierungen und Handelsnamen eingegangen. Gold- und Silberrechner erlauben das einfache Umrechnen der Einheiten Karat (Gold) und Lötigkeit (Silber) in Tausendstel und umgekehrt. Exkurse befassen die Entstehung von Gold und Silber in Sternexplosionen und -kollisionen, Goldlegierungen und ihre Korrosion, Betrügereien und wie man ihnen mit Hausmitteln auf die Spur kommen kann und liefern Tabellen zu Masse, Farbe, Dichte und Stoffmengenverteilung von Gold- und Silberlegierungen.